Versorgung von Schwer- und Schwerstverletzten (Polytrauma)
Gerade in unserer von Tourismus und Freizeitsportarten geprägten Region erleiden viele Patienten schwere und schwerste Unfälle. Um diese Patienten ohne lange Transportwege schnellstmöglich zu versorgen, ist in Kempten ein hochmodernes Traumazentrum im Aufbau.
Unterstützt wird dies durch den in der Nähe von Kempten stationierten Rettungshubschrauber Christoph 17.
Das Klinikum verfügt aktuell in der Notfallambulanz über einen Schockraum mit der nötigen räumlichen als auch materiellen (Ultraschallgerät, Strahlenschutzwesten, OP-Sets für Notfalleingriffe) Ausstattung, die die Erstversorgung des Patienten sicher stellt. Eine moder-ne CT-radiologische Diagnostik sowie eine Angiographie mit der Möglichkeit der Gefäßdarstellung, aber auch zur Blutstillung, dem sogenannten „Coiling“ erfolgt in un-mittelbarer Nähe.
Durch den Neubau der zentralen Notaufnahme (Fertigstellung 2013) werden hier die sowohl räumliche, materiellen als personellen Ressourcen weiter ausgebaut.

Sollte ein sogenannter „Schockraum“ vom Notarzt vor Ort angefordert werden, finden sich binnen Minuten die über einen Sammelruf verständigten Fachkräfte ein, um die Schwerverletzte Person vom Notarzt zu übernehmen und nach entsprechender Diagnostik und Diagnosestellung adäquat zu versorgen.
Zu einem Schockraumteam gehören:
- Oberarzt Unfallchirurgie
- Assistenzarzt Unfallchirurgie
- unfallchirurgische Pflegekraft
- Arzt Anästhesie
- Pflegekraft Anästhesie
- Arzt Allgemein-/Visceralchirurgie
- Arzt Radiologie
- MTRA
Unsere Abläufe im Schockraum - ATLS
Der Ablauf ist fest geregelt und entspricht dem von der deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie angebotenen Konzept ATLS (advanced trauma life support).
Die Grundidee des ATLS ist, die bedrohlichsten Verletzungen und Störungen der Vitalfunktionen des Patienten schnell zu erfassen und zu behandeln („treat first what kills first“). Dies geschieht durch die Erstuntersuchung und -Versorgung („primary survey“), die dem sogenannten ABCDE-Schema folgt:
- Der Atemweg (A - Airway) wird gesichert,
- eine Beatmung (B - Breathing), falls notwendig, durchgeführt,
- der Kreislauf (C- Circulation) durch das Stoppen massiver Blutungen und Infusionstherapie stabilisiert und
- eine orientierende neurologische Untersuchung durchgeführt (D - Disability).
- Als abschließender Punkt wird der Patient entkleidet, orientierend chirurgisch untersucht und anschließend aufgewärmt (E - Exposure).
- Im Anschluss an diese Erstversorgung werden in einer zweiten, ausführlicheren Phase („secondary survey“) alle relevanten Verletzungen und Erkrankungen diagnostiziert, wobei auch bildgebende Verfahren (Röntgen, CT) zum Einsatz kommen.
Die ärztlichen Mitarbeiter der Abteilung für Orthopädie, Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie werden in regelmäßigen Abständen in diesem ATLS-Konzept geschult, um den Versorgungsstandard der polytraumatisierten Patienten gewährleisten zu können.
Mehr Informationen hierzu finden Sie unter: www.atls.de



